21. Kölner Verwalterforum – eine neue Dimension

21. Kölner Verwalterforum – eine neue Dimension

Neue Lokalität. Neues Logo. Karneval am Vorabend ade. Aber die gleichen Macher. Dr. Michael Casser, Astrid Schultheis und Dr. Klaus Vossen, die Vorstände des VNWI e.V., hatten zum 15.2.2020 nicht mehr ins Maternushaus sondern in die Köln-Messe eingeladen. Obwohl das Kölner Verwalterforum am ehemaligen Standort gut aufgehoben war, war dieser dem Ansturm der Interessierten nicht mehr gewachsen. 500 Teilnehmer und -innen waren dort die Schallgrenze. Der Saal in der Koelnmesse Nord fasst etwas über 700 - und war ausgebucht! Das spricht für sich. Das großzügige Ambiente wurde gut angenommen. 60 Aussteller umrahmten auf den beiden oberen Etagen die Veranstaltung. Es wirkte großzügiger und heller. Eine sogenannte Speakers Corner war eingerichtet. Diese bot den Ausstellern während den Pausen die Gelegenheit für Kurzvorträge zur Vorstellung ihrer Produkte.

8.40 Uhr Saalöffnung. Auf der Leinwand der Countdown, der um neun Uhr stehen blieb. Casser bat seine beiden Mitvorstände, den Geschäftsführer Dr. Roland Nolte und die Vorstandsreferentin Sabine Beckers auf die Bühne. In lockerer Runde wurde das neue Konzept vor-, die Verbandsarbeit dargestellt und natürlich zu den neuen Mitgliederzahlen berichtet. So ist der VDIV NRW mit 652 Mitgliedsunternehmen weiterhin der stärkste Landesverband. Vom seitherigen Namen „VNWI“ werde man sich verabschieden, man schlösse sich jetzt der bundeseinheitlichen Namensgebung an und hieße fortan „VDIV Nordrhein-Westfalen e.V.“ Der Saal war bereits mit dem neuen Logo versehen. Der bewährte und ob der Neuerungen, nach seinen Worten, „geflashte“ Moderator, Georg Roth, machte hieraus kurzerhand den „VauDIFF“.

Den Einstieg in die Vorträge übernahm der Vereinsvorsitzende Casser. Er gab Hinweise zum anstehenden Zensus 2021. Der bereits im Vorjahr vorgestellte WEG-Verwaltervertrag mit seinem System der Preisbestandteile wurde durch das aktuelle BGH-Urteil zur Zulässigkeit des Baukastensystems bestätigt und verfeinert. Rechtsanwalt Stefan Löfflad, WIR Jennißen und Partner, Köln, behandelte anschließend das Thema „Mietpreisbremse – Aufklärung statt Haftung“. Es seien zwar nur vier neue Paragrafen zum Mietrecht hinzugekommen, aber die Neuerungen hätten es in sich. Im Fokus stehe dabei die wachsweiche ortsübliche Vergleichsmiete als unbestimmter Rechtsbegriff. Wie der Mietverwalter beraten und aufklären muss, um nicht zu haften, wurde aufgezeigt.

Die erste Kaffeepause war verdient. Danach, schon der Klassiker, Neues aus Karlsruhe, Herrenstraße 45a, vorgetragen von der stellv. Vorsitzende RinBGH Prof. Dr. Johanna Schmidt-Räntsch. Die Bundesrichterin hatte aktuelle Urteile des BGH im Gepäck, die verständlich und übersichtlich vorgetragen wurden. Das bereits oben erwähnte Urteil Nummer 8 war für die Verwalter von besonderem Interesse, geht es da doch um die eigene Vergütung (BGH v. 5.7.2019 – V ZR 278/18). Wie wird das WEG aussehen, wenn es vom Bundestag zurückkommt? Es war Aufgabe von Prof. Dr. Dominik Skauradszun, Hochschule Fulda, die wesentlichen Punkte aus dem 99 Seiten starken Referentenentwurf vorzustellen. „Es wird im neuen WEG kein Stein auf dem anderen bleiben“, so der Referent zum geplanten Vorgehen, die Eigentümergemeinschaft rechtsfähig auszugestalten. Der Entwurf habe sich dabei aus dem Handels-, Genossenschafts- und Aktienrecht bedient. Besonders erwähnenswert, die von Beckers ausgearbeitete Synopse, altes WEG und neues, so wie es einmal aussehen könnte.

Der VDIV NRW lud anschließend zur ausgiebigen Mittagspause ein. Die Synopse lag an den Ausstellerständen zum Mitnehmen bereit. So gestärkt ging es zurück in den Saal, wo bereits Christian Bredlow von der Firma Digital Mindset GmbH zwecks Vortrags verkabelt war. Das Wort Digitalisierung könne man nicht mehr hören, obwohl sie überall sei, genauso wie die Handys. Handys raus! So Bredlows Forderung und er schmiss mit Karacho das angeblich am Rednerpult vergessene Handy von Moderator Roth zu dessen Entsetzen ins Eck. Roths Fassungslosigkeit wich, als er feststellte, dass sich Bredlow einen Scherz erlaubt hatte. Es war natürlich nicht Roths Handy gewesen. Es folgte ein rasanter Ritt in die nicht immer bekannten Untiefen der digitalen Welt. Fazit des Vortrags: „Die Digitalisierung geht nicht mehr weg!“

„Ist das Kunst oder kann das weg?“, so ein Bonmot und in Abwandlung als Überschrift tauglich für das Thema von Prof. Dr. Florian Jacoby, Universität Bielefeld, der Ausführungen zu „Scannen und Wegwerfen“ machte. Ganz der Jurist: Es komme darauf an. Man müsse in Schubladen denken. Urkunden, die nur als Original Aussagekraft haben (Bürgschaften, Vollmachten) gehörten auf keinen Fall geschreddert. Urkunden, die in einer besonderen Form hergestellt sind (Vollstreckungstitel, Ausfertigungen/Abschriften not. Verträge) sind ebenfalls vor dem Reißwolf zu bewahren. Generell gelte: Komme eine Nachricht in zulässiger Weise als PDF daher, könne diese auch als PDF gespeichert werden (Rechnungen). Uralte, sonstige Unterlagen könnten einer geregelten Entsorgung zugeführt werden. Beschlussvorschläge zur Behandlung der Unterlagen unter Einbindung der Eigentümer rundeten die Ausführungen ab. Schlussredner Dr. Alexander Heyn, GF der Fa. Neck + Heyn Werbeagentur GmbH, zeigte die dunklen Seiten des Internets auf: Rufmord auf Bewertungsportalen. Wer ist Täter, wer ist das vielleicht (noch) ahnungslose Opfer, wo ist der Tatort, das waren die Schwerpunkte. Der Referent weckte das Problembewusstsein, zeigte aber auch Reaktionsmöglichkeiten auf, von Ignorieren bis hin zur einstweiligen Verfügung.

Vieles war neu. Bereits die Einladung zeigte den Zeitenwandel. Einlasscode und Namensschild waren per selbstklebende Schildchen wenige Tage zuvor im Postkasten gelandet. Mit dem Abscannen beim Eingang wurde die Zeiterfassung für den Stundennachweis der notwendigen Verwalterfortbildung aktiviert. Die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer und Helferinnen des Verbandes wurden auf der Bühne mit anerkennendem Applaus für ihren Einsatz belohnt. Das 21. Kölner Verwalterforum war Geschichte. Casser und sein Team können aber sicher sein, am 20.2.2021 wird das 22. Forum ebenfalls wieder bis zum letzten Platz gefüllt sein.

Gerhard Schmidberger, Heilbronn